Donnerstag, 10. Dezember 2009

Wahre Volkskultur ist gefährlich

In Xining in der chinesischen Provinz Qinghai ist der populäre tibetische Sänger Tashi Dhondup in einem Restaurant verhaftet worden. Ihm wurden von den Behörden bereits früher «konterrevolutionäre Aktivitäten» vorgeworfen.

Laut der vom Nachrichtendienst Swissinfo zitierten Organisation Internationale Kampagne für Tibet (ICT) ist Dhondup mit vorgehaltener Waffe aus einem Restaurant abgeführt worden.

Bereits im September sei der Sänger wegen "konterrevolutionärer Lieder" für eine Woche festgenommen und in der Haft geschlagen worden. Tashi Dhondup tritt in seinen Liedern für mehr Freiheit im Tibet und eine Rückkehr des Dalai Lama in sein Heimtland ein.
Quelle: codexflores

Sag' ich's doch: Wahre Volkskultur ist gefährlich...

Ein neuer Stern weist uns den Weg...


Tausende Menschen beobachteten ein mysteriöses, spiralförmiges Licht über Norwegen

Das will ich doch meinen Lesern und Leserinnen nicht vorenthalten. Passt doch punktgenau in die "Heilige Zeit". Ein neuer Stern ist aufgegangen und leuchtet uns den Weg. Da hab' ich im Schall-und-Rauch-Blog einen treffenden Kommentar dazu gelesen:
Wir müssen dem Licht folgen, dann kommen wir nach Kopenhagen, wo schon viele Könige und Regierungschefs hingepilgert sind und wir gehen in ein Marriothotel, im Foyer steht eine Wiege, in ihr liegt...


Obama
Er ist gekommen, um die Welt zu retten, heiligt ihn!
Heiligt ihn.
Heiligt ihn.

Wir steigern das Bruttosozialprodukt



Die Augenreiberei macht sich heute berechtigte Gedanken über die "Heilige Zeit":
Heute in zwei Wochen ist Heilig Abend. Bis dahin versucht man noch einige Male, uns die frohe Botschaft zu verkünden das Geld aus der Tasche zu ziehen…
Der Rubel muss rollen, damit das Jahresergebnis des Handels nicht allzu düster ausfällt. Mir würde heute ziemlich grauen, müsste ich nochmals von Vorne beginnen, meinen Patenkindern Spielsachen auf die Schnelle einzukaufen.

Da hab' ich heute wiederum ein uraltes Foto (s. oben) ausgegraben mit zwei Kindern, die sich mit selbstgebasteltem Spielzeug vergnügen. Ich kann nun beim besten Willen in beiden Kindergesichtern keinen Frust ausmachen, weil sie nichts Exklusives in Händen halten.

Ach, bin ich wieder einmal rückständig. Die heutigen Kids haben doch Gescheiteres zu tun, als Spielsachen zu basteln.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Prägendes Handwerk


Foto: Maskenschnitzer von Flums, ca. 1920

Handwerk hatte nicht nur 'goldenen Boden'; es prägte auch den Handwerker...

Dienstag, 8. Dezember 2009

Über eine verloren gegangene Dichtkunst


 Foto: Der Solothurner Schriftsteller Josef Reinhart

Erinnert Ihr Euch an das Pausenzeichen, das von 1926 bis 1966 im Radio Beromünster ertönte? Genau: Die Melodie des bekannten Volksliedes "D Zyt isch do". Der Text wurde vom Solothurner Volksdichter Josef Reinhart verfasst. So wie Josef Reinhart der Volksdichter des Kantons Solothurn gewesen ist, so hatte damals praktisch jeder Kanton seinen hochgeschätzten Dichterfürsten. Auch Frauen gaben vielerorts den lyrischen Ton an. Wie beispielsweise Sophie Hämmerli-Marti aus dem Kanton Aargau. Neben ihren Texten zu politischen und kulturellen Anliegen der Schweiz war die Autorin in ihren Prosastücken auch eine frühe Kämpferin für die Emanzipation der Frau. Oder der Schwyzer Dichter Meinrad Inglin, dem wir die beiden (verfilmten) Klassiker "Der schwarze Tanner" und "Das gefrorene Herz" verdanken. Natürlich müssen wir auch Jeremias Gotthelf aus dem Bernbiet zu den eigentlichen Volksdichtern zählen. Seine Werke geniessen heute bekanntlich den Status von Weltliteratur.

Auch wir Baselbieter hatten unseren Hauspoeten, welcher auch in der damaligen Presse regelmässig zu träfem Worte kam: Emil Schreiber, 1888-1972. Im Brotberuf war er - für die damalige Zeit nicht ganz unüblich - Lehrer. Seine Freizeit gehörte jedoch ganz der Dichtkunst. So war er auch Verfasser des damals vielbeachteten Festspiels des Kantons Basel-Landschaft an der Landi 1939 in Zürich. Auch in Schulbüchern fand er Einlass. Ich kann mich deshalb noch gut daran erinnern, wie wir als 10jährige eines seiner Gedichte auswendig lernen mussten. In einfacher Prosa beschreibt Emil Schreiber dabei das Wunder der uns nährenden Mutter Natur:


Dräck
's Noochbers Chnächt, der Bänz - Gott hett in selig -
er hätt öbbis anders sölle geh.
Aer isch nit gsy, wie die meischte Buure.
Aer hett alls mit bsund're n Auge gseh.

I chönnt allerhand vo ihm verzelle.
Jedes Tierli hett er pfläggt und g'schützt.
Er hett gsait: Gott heeb gar nüt erschaffe,
wo nit dämm und sälbem öbbis nützt.

Ei Uuspruch vom Bänz, dä isch mer blibe.
Aer hett gacheret. - I lauf derzue.
Boodelos ischs gsi, 's het zümpftig dräcket,
und i rüef': "Bänz, hesch du dräckig Schueh!"

"Dräck!? - Das isch kei Dräck, du junge Schnuufer!
Strossedräck und Stubedräck, das gitts,
aber, was bim Ach're n an de Schuehne
hange blybbt, das isch kei Dräck, potz Blitz! -

's isch ess Stück vo euser Mueter Aerde,
vo n ere Mueter, die vo früeh bis spot
schafft, ass d'Möntsche chönne sy und wärde...
in der Aerde, nit im Dräck, wachst 's Brot."

Ja, das war er, der knorrige Schulmeister Emil Schreiber, der jedoch, sobald er ins Gewand des Dichters schlüpfte, ungemein feinsinnige Worte drechseln konnte. Wer würde sich heute noch getrauen, so gefühlvolle und berührende Dichtkunst zu verfassen?

Würde, Stolz und Handwerk



Irgendwie gefällt mir dieses Bild (Wolle-Spinnerin im Prättigau, ca. 1915). Trotz des wohl nicht hochgeachteten Handwerks vermeine ich eine gewisse Würde, sogar Stolz, zu erkennen. Möglicherweise bietet auch ein handwerkliches Geschick eine gewisse Befriedigung. Natürlich nur früher. Heute brauchen wir ja das Handwerk nicht mehr...

Copyright 2007- : BodeständiX

Template 'CoolingFall' by Ourblogtemplates.com