Mittwoch, 14. März 2012

Botschafter des Himmels

Bevor ich mein Tageswerk beginne, gönne ich mir meistens einen kleinen Waldspaziergang. Seit kurzem klingt und singt es während dieses frühmorgendlichen Marsches von allen Bäumen und aus allen Gebüschen. Die Vögel haben ihre Stimme wieder gefunden. Sie begrüssen, jede Art auf ihre ganz typische Weise, die Boten des Frühlings. Gerne lehne ich mich an einen Baum und höre diesem frühlingshaften Trillieren und Jubilieren zu. Ich erinnere mich an meine Kindheit, wo mir der Frühling auch schon liebste Jahreszeit gewesen ist. Ich konnte es kaum erwarten, bis dass die Sonne wieder mehr wärmte und ich draussen spielen konnte. Die Wiesen, damals alle noch ungedüngt, zeigten ihr frühlingshaftes Gewand: "Guggerblumen" (Wiesenschaumkraut), Schlüsselblümchen und weitere farbenfrohe Gewächse in üppiger Vielfalt steigen vor meinem geistigen Auge auf. Ich liebte es, mich inmitten die "Guggerblumen" zu setzen und die Welt aus ihrer Sicht zu betrachten.

Doch wieder zurück zu den Vögeln. In meiner Kindheit kannte ich praktisch jeden Vogel, wusste um seine Eigenheiten, erkannte ihn an seinem Gesang. Ich hatte auch einen überaus kompetenten und geduldigen Lehrmeister: Meinen Vater. Er war eingeschriebenes Mitglied und hochgeachteter Rechnungsrevisor des örtlichen Natur- und Vogelschutzvereins. Er nahm mich mit auf seine Streifzüge durch die Wälder, geriet in Entzücken, wenn er wieder einmal eine ganz seltene Vogelart erblickte, pfiff mir die verschiedenen Vogelmelodien vor und tat eigentlich alles, um in mir die Liebe zur Natur und zur Tierwelt zu wecken. Selbstverständlich liess er mich auch gerne in seinen ornithologischen Büchern stöbern und ich konnte ihn alles fragen, was mir nicht auf Anhieb einleuchtete. Wenn er einmal etwas nicht wusste, was übrigens äusserst selten vorkam, dann meinte er nur trocken: "Ach, bin ich "pfyffeholzdumm" (über die Herkunft dieses arigen (seltsamen) Ausdruckes weiss ich leider nicht mehr Bescheid) .

Als ich in der zweiten Sekundarklasse gewesen bin, nahmen wir auch die Vogelwelt durch. Wie freute ich mich darauf. Hier konnte ich mit meinen Wissen brillieren. Endlich kam die langersehnte erste Unterrichtsstunde. Doch oh Graus: Nichts von alledem, was ich kannte und so liebte, lehrte uns der Biologielehrer. Er zeigte uns zu meiner grossen Enttäuschung lediglich Vogelskelette und erklärte uns mehr schlecht als recht, weshalb Vögel fliegen können, was mir jedoch nicht ausreichte, weil ich es nämlich besser wusste:

Vögel können fliegen, weil sie uns mit dieser Gabe Botschaften aus himmlischen Gefilden herunterbringen können. So wenigstens erklärte es mir mein Vater damals auf unseren Streifzügen durch die Wälder meiner Kindheit.

Montag, 12. März 2012

Pur ti miro, pur ti godo

Erstaunlich:

Freitag, 9. März 2012

Frisch datiertes Gammelfleisch bei Coop Schweiz

Bodeständix pflegt bekanntlich vielerlei Laster und die pflegt er überaus liebevoll: Rauchen, Bier trinken und üppig Fleisch essen. So wollte er heute wieder einmal seinen Fleischesgelüsten frönen. Aufs Fahrrad sich gesetzt und ab in den örtlichen Coop in Utzenstorf. Ein nettes, abgepacktes 'Fondue Chinoise' - selbstverständlich Bio - sich gekrallt und nix wie nach Hause, um gepflegt die 400 gr. Bio-Rindfleisch reinzuhauen. Doch oh Schreck:

Verrottetes Bio-Gammel-Fleisch - frisch von Coop!


Bodeständix hat extra im Coop-Laden peinlichst genau nach dem Ablaufdatum geschaut, denn im letzten Herbst ist ihm Unangenehmes passiert. Er hat nämlich abgelaufenes Fleisch gekauft und musste es deshalb umgehend entsorgen. Damals reklamierte er aus Bequemlichkeit nicht und dachte sich dabei: Kann ja mal passieren, den unterbezahlten Coop-Mitarbeitern/innen kann ja mal ein Fehler unterlaufen,  und überhaupt: Ich bin ja selbst schuld, dass ich das Ablaufdatum nicht gecheckt habe.

Doch jetzt war das Ablaufdatum - wenigstens auf der Verpackung - stimmig:

Zu verkaufen bis 26. Mai 2012 - zu konsumieren bis 27. Juni 2012
Kein Problem, dachte sich BodeständiX, hat bezahlt:
Im Nachhinein festgestellt, dass die Portion 50 % billiger ist. Coop verkauft also Gammelfleisch günstiger! Nett.

und ist frohgemut nach Hause geradelt. Dann kam das böse Erwachen: Gammeliges Fleisch, vom Geschmack her grauenhaft. Bodeständix vermutet nun, dass die Coop-Gewaltigen ihre MitarbeiterInnen dazu verdonnern, abgelaufene Ware neu zu etikettieren. Bodeständix findet das einen waschechten Skandal und dieses Mal wird er nicht schweigen, sondern alle Hebel in Bewegung setzen, damit solches nicht anderen Leuten passieren wird.

PS: Am Montag werde ich das Gammelfleisch ans Kant. Lebensmittelinspektorat einschicken (ich hab's dazu fein säuberlich in der hauseigenen Kühltruhe eingefroren!). Mein Magen sagt mir nämlich, dass dieses Fleisch der Gesundheit eindeutig nicht förderlich ist.



Dienstag, 14. Februar 2012

Von der guten, alten Bahnhofszeit

 Bahnhof-Wartesaal I. und II. Klasse im Jahr 1914 
(Bild-Lizenz: Public Domain)

Früher konnte ich es mir kaum anhören, wenn ältere Menschen über den Winter klagten und den Frühling herbeisehnten. Unbegreiflich, dass diese älteren Menschen keine Freude an der kalten Jahreszeit hatten. Doch langsam kommt BodeständiX auch in diese Klagejahre. Er sehnt sich nach der wärmenden Frühlingssonne, nach der duftenden, frischen Erde, nach den Schneeglöckchen, Krokussen und "Guggerblumen"...

Letzten Freitag musste er berufshalber ins Baselbiet verreisen und kam spätabends zurück ins trauliche Bernerdorf, wo er seit nunmehr acht Jahren seine Zelte aufgeschlagen hat. In Olten musste er über eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten. Es zog fürchterlich durch diesen Bahnhof und es gab keine Aufwärmoasen. Alle geschlossen um diese Zeit. BodeständiX liess frierend seine Erinnerungen zurückschweifen in die Zeit, als die Bahnhöfe noch mit gut geheizten Wartesälen aufwarten konnten. Sogar Raucher-Wartesäle gab es damals! Es war köstlich, in diesen warmen Stuben sich die Zeit mit Lesen zu verkürzen. Vielleicht lag sogar ein munteres Schwätzchen mit anderen Reisenden drin. Ach ja, damals gab es auch noch sogenannte Bahnhofbuffets, die selbverständlich auch nach 22 Uhr offen waren.

Und heute? Alles durchökonomisiert. Das scheinbar Unrentable wurde wegrationalisiert. Es macht für BodeständiX deshalb selten mehr Freude, vor allem im Winter, mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs zu sein. Trotz dieser Sparmassnahmen schreibt die SBB regelmässig tiefrote Zahlen. Im Gegensatz zu früher, als es noch "muttelig-warme" Wartesäle, rauchige Bahnhofbuffets und öffentliche Bahnhof-Toiletten (gratis!) gegeben hat.

Auch lange noch nach 22 Uhr.


Montag, 19. Dezember 2011

Das trauliche Gefühl von Weihnachten

 Foto: pixdaus.com

Ich bedanke mich bei allen Leserinnen und Lesern meines Blogs fürs aufmerksame Lesen und wünsche frohe Weihnachten. Als kleines Dankeschön schalte ich meinen Beitrag aus dem Jahr 2009 über eben dieses Fest auf:

Passend zur kommenden Weihnachtszeit und zum Jahresende möchte ich einen weiteren Aspekt der Volkskultur beleuchten: Die Volksfrömmigkeit. Wieder ein Ausdruck, der von der Kulturwissenschaft gar nicht geliebt wird, obwohl sie ihn früher selbst kreiert hatte. Die Volksfrömmigkeit ist, auf einen einfachen Nenner gebracht, die gelebte Antwort des Menschen auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens. Sie spricht die Sinne und das Gemüt stärker an als den Verstand. Sie liebt ausdrucksstarke Formen und sucht die Nähe.

Die Kirchenoberen hatten wohl nie grosse Freude daran, wie ihre Schäfchen die vorgegebenen Glaubensinhalte und Praxisformen ihren eigenen Bedürfnissen anpassten und sie kreativ umwandelten. Gerade die Weihnachtszeit mit ihren Bräuchen steht exemplarisch für eine solche Volksfrömmigkeit. Die heute geläufigen Formen und Bräuche wie Christbaum, Christkind und teils noch die Krippenspiele zeugen davon. Sie sind jedoch nicht so alt, wie es uns gerne scheinen mag. So hat Weihnachten ihre Bedeutung als Gemeinschaftserlebnis und Familienfest des Jahres erst in neuerer Zeit erlangt. Die Wurzeln liegen bekanntlich in der kirchlichen Feier der Geburt Christi, die - im Gegensatz zum heidnischen Fest der Wintersonnenwende - im frühen 4. Jahrhundert in Rom eingeführt wurde und sich rasch über das römische Staatsgebiet ausbreitete. Die spezifisch christlichen Formen entwickelten sich jedoch erst im Spätmittelalter (Mitte 13. bis Ende 15. Jahrhunderts). Dazu gehörten die Weihnachtsspiele, die sich zunächst im klösterlichen Umfeld herausbildeten und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von Pfarreien, Schulen und Vereinen gepflegt wurden. Wie liebten wir es doch als Kinder, wenn wir in der Schule solche Krippenspiele für unsere Eltern und Verwandten aufführen durften. Es galt als schauspielerische Höchstauszeichnung, den Josef oder die Maria zu spielen. Ob auch heute noch solche Krippenspiele an den Schulen aufgeführt werden (dürfen!), entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Der Christbaum als Herzstück des Weihnachtsfestes ist noch jüngeren Datums. Er breitete sich nämlich erst im 19. Jahrhundert von Deutschland her allmählich in der Deutschschweiz aus. Zunächst lediglich in den Kirchen, Schul- und Pfarrhäusern der reformierten Städte.

Heute kennen wir Weihnachten eher als das Fest der Geschenke und es wäre wohl interessant zu erfahren, wie viele Menschen den Ursprung und Sinn des Festes noch kennen. Weihnachten wurde übrigens erst ab dem späten 19. Jahrhundert zum Fest der Bescherung. Vorher fand die Bescherung nämlich vornehmlich am Nikolaustag (in katholischen Gebieten), am Dreikönigstag (im Tessin) und in den reformierten Gebieten mehrheitlich an Neujahr statt. Das Christkind als Gabenbringer wurde übrigens in katholischen Gebieten lange als reformierte Vorstellung empfunden. Doch das Christkind konnte sich allmählich als beliebter Geschenkebringer durchsetzen und verdrängte Gestalten wie Chalande (Genf), Chauche-vieille (Waadt) oder Père Noël (Jura).

Ich mache mir seit geraumer Zeit diese Volksfrömmigkeit zunutze und halte am Heiligen Abend ein für mich stimmiges Ritual ab. Den Heiligen Abend habe ich exklusiv für mich gepachtet. Da gibt's keine Besuche. Da bin ich unabkömmlich. Wenn's dann so richtig dunkel wird, gehe ich hinaus in die Natur, mache mir im finsteren Wald ein kleines Feuer und setze mich dazu. So kann ich die ganz eigenartige Stimmung - das trauliche Gefühl von Weihnachten -  für mich geniessen.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Wer Hoffnung weckt, wird umgebracht

Heute vor 47 Jahren starb auf mysteriöse Weise eine der schönsten, stärksten und bewegendsten Stimmen des Souls: Sam Cooke. Er wurde nur 33 Jahre alt. Möglicherweise wurde Sam Cooke ins Jenseits befördert. Nach Sam Cookes Tod erschien der wohl allergrösste Song von ihm: "A Change Is Gonna Come". Viele glaub(t)en, dass es dieser Song gewesen ist, weshalb Sam Cooke sterben musste. Dieses den Schwarzen Amerikas Mut machende  Lied, gesungen mit einer unglaublichen Stimme,  war wohl für die weisse Elite Amerikas zu starker Tobak. Doch hört selbst:

Donnerstag, 24. November 2011

Ludwig Hirsch: Komm grosser schwarzer Vogel

Aus aktuellem Anlass: Ludwig Hirsch ist tot.
Reolad vom 14.06.2009

Ich glaub', er hiess Pepperl. Damals Pächter eines Restaurants mit Discothek in einem kleinen Schweizer Städtchen am Rhein. Ich war öfters bei ihm zu Gast. Seine österreichische Küche hatte es mir angetan. Wir redeten viel über Musik. Als Österreicher machte er mich mit der Musik (Austropop) seiner Landsleute vertraut. Einmal meinte er mit verklärtem Gesichtsausdruck: "Der Ludwig, der ist der Hammer!" - "Ludwig, wen meinst Du damit? Kenn' ich nicht." Und schon tönte es im Restaurant: "Komm, grosser schwarzer Vogel". Pepperl bekniete mich förmlich: "Hanspeter, den musst Du bringen." Ich war damals ja Impresario und hatte für musikalische Hinweise immer ein offenes Ohr. Anderntags machte ich mich an die Recherche. Und oh Wunder: Der Ludwig Hirsch war gerade unterwegs. Demnächst auch in der Schweiz und es gelang mir, einen Auftritt in Basel mit seinem Management zu vereinbaren. Im Stadtcasino.

Dieses Konzert war wirklich speziell, denn plötzlich, mitten im Konzertablauf, machte es "Päng" und alles war dunkel. Lediglich die Bühnen-Notbeleuchtung gab ein fahles Licht ab. Ludwig Hirsch, überhaupt nicht geschockt, trat an den Bühnenrand, entschuldigte sich beim Publikum, winkte seinen Gitarristen heran, flüsterte ihm etwas ins Ohr und dann geschah etwas, das ich nicht mehr vergessen werde. Ludwig Hirsch sang seinen "Schwarzen Vogel" unverstärkt und nur mit akustischer Gitarre begleitet. Es war mucksmäuschenstill im Saal. Die Szenerie hatte etwas so Magisches, wie man es selten an einem Konzert erlebt. Nach dem Liedschluss war es zunächst eine ganze Weile still. Das Publikum musste sich erst fassen. Dann brach jedoch ein Applaus los, der sich gewaschen hatte. Und dann ging's wieder weiter. Die Technik hatte uns wieder.

Nach dem Konzert gingen wir übrigens zum Pepperl etwas essen - selbstverständlich zusammen mit Ludwig Hirsch und alles drehte sich um diesen Stromausfall und den "Schwarzen Vogel" unverstärkt. Ob sich Ludwig Hirsch noch an diesen Auftritt in Basel anno 1983 erinnert?



Liedtext:
Komm grosser schwarzer Vogel
komm jetzt!
Schau
das Fenster ist weit offen

schau
ich hab' dir Zucker aufs
Fensterbrett g'straht.

Komm grosser schwarzer Vogel
komm zu mir!
Spann' deine weiten
sanften Flügel aus
und leg' s' auf meine Fieberaugen!
Bitte
hol' mich weg von da!

Und dann fliegen wir rauf

mitten in Himmel rein

in a neue Zeit
in a neue Welt

und ich werd' singen
ich werd' lachen

ich werd' "das gibt's net" schrei'n

weil ich werd' auf einmal kapieren

worum sich alles dreht.

Komm grosser schwarzer Vogel
hilf mir doch!
Press' deinen feuchten
kalten Schnabel
auf meine wunde
auf meine heiße Stirn!

Komm grosser schwarzer Vogel
jetzt wär's grad günstig!
Die anderen da im Zimmer schlafen fest
und wenn wir ganz leise sind

hört uns die Schwester nicht!
Bitte
hol mich weg von da!

Und dann fliegen wir rauf

mitten in Himmel rein

in a neue Zeit
in a neue Welt

und ich werd' singen
ich werd' lachen

ich werd' "das gibt's net" schrei'n

weil ich werd' auf einmal kapieren

worum sich alles dreht.

Ja
grosser schwarzer Vogel
endlich!
Ich hab' dich gar nicht reinkommen g'hört

wie lautlos du fliegst

mein Gott
wie schön du bist!

Auf geht's
grosser schwarzer Vogel
auf geht's!
Baba
ihr meine Lieben daham!
Du
mein Mädel
und du
Mama
baba!
Bitte
vergesst's mich nicht!

Auf geht's
mitten in den Himmel eine

nicht traurig sein
na na na

ist kein Grund zum Traurigsein!
Ich werd' singen
ich werd' lachen

ich werd' "des gibt's net" schrei'n.
Ich werd' endlich kapieren

ich werd' glücklich sein!
Ich werd' singen
ich werd' lachen

ich werd' "des gibt's net" schrei'n.
Ich werd' endlich kapieren

ich werd' glücklich sein!
Ich werd' singen
ich werd' lachen

ich werd' endlich glücklich sein!
werd' endlich kapieren

ich werd' glücklich sein!
Ich werd' singen
ich werd' lachen

Mittwoch, 16. November 2011

Solchen Monat muss man loben

 November-Blues


Die Novemberwinde brausen übers Land und machen das, was sie jedes Jahr tun: Platz für die Winterruhe. Passend dazu habe ich heute ein Gedicht gefunden, das aus der Feder von Heinrich Seidel, 1842-1906, stammt:
November
Solchen Monat muss man loben;
Keiner kann wie dieser toben,
keiner so verdriesslich sein,
und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist 'ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
wie sie tanzen in dem Wind
und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
und sie durcheinanderwirbelt
und sie hetzt ohn' Unterlass;
Ja, das ist Novemberspass!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelstau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Und an jeder Traufe hängt
Trän' an Träne dicht gedrängt.

O, wie ist der Mann zu loben,
Der solch unvernünft'ges Toben
Schon im voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!
So dass wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Gräuel schauen zu!

Dienstag, 15. November 2011

Rainer Maria Rilke - Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke, 11.9.1902, Paris

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Über hohe und niedere Kultur

Was ist denn nun wertvoller: Hochkultur oder Volkskultur?

Der Unterscheid scheint anderswo zu liegen: Während sich Hochkultur (speziell im protestantischen Zentraleuropa) darin gefällt, zu irritieren, Brüche auszuloten, zu erschüttern, herauszufordern und Selbstwahrnehmung zu verfeinern, sucht Volkskultur vor allem das affirmativ-praktische soziale Gemeinschaftsgefühl und den aktivierenden Effekt. Sie bildet eine Art Ermunterung zur Teilnahme und Prävention gegen Trübsinn und Isolation.
Hochkulturelle Prätention steht so gesehen gegen volkstümlichen Mutterwitz, misanthropische Individualisierung gegen familiäre Geborgenheit, passive Reflektion gegen aktives Mitwirken.
Ganzen Artikel lesen: Was unterscheidet Hoch- und Volkskultur?

Mittwoch, 12. Oktober 2011

BodeständiX feiert heute den Columbus Day!

- reoload vom 12.10.2010

BodeständiX ist immer dabei, wenn es gilt, Feste zu feiern. So möchte er erstmals in seinem Leben den heutigen Columbus Day feierlich begehen.

Wir EuropäerInnen können nämlich diesem ehrwürdigen Mann, der den Atlantik nach Westen besegelt hat, um den Seeweg nach „Indien“, d.h. Südostasien zu erschliessen, nicht genug Dankeschön sagen. Ohne seine grossartige Entdeckung - im Oktober 1492 stiess Columbus bekanntlich auf die Insel Guanahani (Bahamas), dann auf Kuba und Haiti - wären wir EuropäerInnen wohl nie zu solch' erstaunlicher Grösse aufgestiegen.

Bedanken möchte ich mich auch beim damaligen Papst Alexander VI., welcher mit seiner unendlichen Güte und dank Weisungskraft seiner Päpstlichen Bulle Inter ceterae, 1493, damit das grösste Seelen-Heimholungswerk der menschlichen Geschichte ermöglichte:
"50,000 Native People... died within months of the establishment of the first Spanish colony on the island of Espanola. The soldiers held contests to see who could cut the most heads off with one blow. Women's breasts were cut off for sport while their babies were fed to the Mastiffs; The 24 million people perished at the hands of the Conquistadors in Central Mexico... [the Conquistadors] held contests to see whose dogs could tear apart the most people. Babies were thrown into the air for the dogs to fight over; The 95% of the People in Western and Central Honduras who perished in less than 50 years; In Western Nicaragua the population fell from more than a million to less than 10,000 in only 60 years; In Peru, Chile and Brazil the population decreased from 14 million to 500,000 in less than a century. The soldiers, it was written, kept "the quarters of Indians hanging on porches to feed to the dogs." While many of the deaths were from diseases spread from the filth which permeated the "Old World" many of our People were simply worked to death. It was cheaper to work the slaves until they died than to feed them. There were always more slaves to be had. These are but a few of the atrocities that led to the development of The New World...."
Susan Bates, Hill and Holler column, October 2006

Sonntag, 9. Oktober 2011

Zuversichtliches zum Sonntag

Wer den Mechanismus der privaten Geldschöpfung versteht, weiss:

Das kann nicht mehr lange so weiter gehen!
Die Frage ist nur noch: Wann passiert's und was folgt danach?

Ich möchte deshalb meinen geschätzten BlogleserInnen einen überaus lesenswerten Artikel als Sonntagslektüre empfehlen (aus: Zeitpunkt). Er stimmt mich zwar auch nicht glücklicher, kann jedoch dazu beitragen, dass immer mehr Menschen aufwachen und den Schalmeienklängen aus Politik, Wissenschaft, (Mainstream-)Medien etc. nicht mehr erliegen. Es braucht dazu lediglich 10 % der Menschen und dann ist er da: Der wirkliche CHANGE! Das stimmt doch zuversichtlich!

Artikel (als pdf): Wann stirbt der Tote?

Copyright 2007- : BodeständiX

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